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Ein ewiger Abstiegskampf

Hans Zaremba über den HSV und zwei Lippstädter Fans aus der SPD

Irgendwann in jeder Saison registrieren die Anhänger des Hamburger SV – so auch die Lippstädter Ratsfrau Christine Goussis und ihr sozialdemokratischer Parteifreund Karl-Heinz Tiemann – die bedrohlichen Anzeichen für ihren Verein. Auch in diesem Jahr, wo der HSV eigentlich überraschend gut in die Bundesliga gestartet ist, sich aber nach nur sieben Spieltagen mit sieben Punkten und einer negativen Tordifferenz gleichfalls mit der Ziffer sieben zum erneuten Mal in argen Nöten befindet.

Der Hamburger Sportverein und die Sozialdemokratie verbindet sie: Die Lippstädter Ratsfrau Christine Goussis und ihr Parteifreund Karl-Heinz Tiemann. Foto: Hans Zaremba

„Flop des Jahrhunderts“

Doch nach dem Hoffnungsschimmer zum Ligabeginn folgten zuletzt wieder die Nullerspiele in Serie (0:2 im Volkspark gegen Leipzig, 0:2 bei Hannover 96, daheim 0:3 im Treffen mit dem BVB, auswärts in Leverkusen wieder ein 0:3 und zuletzt im Derby mit dem Nordrivalen aus Bremen ein torloses Remis). Wer in fünf Spielen zehn Buden kassiert und keinen einzigen Treffer markieren kann, befindet sich in einer echten Krise. Das müssen auch die eingefleischtesten Fans der Rothosen eingestehen, von denen viele ihren Verein seit Anfang dieses Jahrzehnts in einem ewigen Abstiegskampf erlebt haben. Ein großes der gegenwärtigen Probleme des einzigen seit der Aufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga am 24. August 1963 verbliebenen Gründungsmitgliedes ist das Fehlen eines echten Knipers. Den hatte man in Pierre-Michael Lasogga, der jedoch im August mit viel Bohei vom Hof der Hanseaten gejagt wurde und danach auf Leihbasis beim englischen Zweitligisten Leeds United anheuerte. Dort trifft nun der Mann, der vom Geldgeber des HSV, Klaus-Michael Kühne, in einem Interview mit einem in Hamburg ansässigen Nachrichtenmagazin als „Flop des Jahrhunderts“ bezeichnet wurde, wieder regelmäßig ins Eckige. Überdies rechnete der 80jährige Logistik-Milliardär gegenüber dem Wochenblatt auf, mit „ungefähr 60 Millionen Euro“ die Personalpolitik beim HSV angeschoben zu haben. Aber seine hohen Erwartungen wurden offenkundig enttäuscht, was man seiner Skepsis gegenüber der Vereinsführung um Heribert Bruchhagen und Jens Todt entnehmen kann: „Der neue Vorstandsvorsitzende, Herr Bruchhagen, ist 68, ein erfahrener Mann mit Ruhe, der Sportdirektor Todt gibt sich Mühe, hat aber nicht viel Erfahrung. Was fehlt, ist ein Schuss Genialität.“

Nimbus der Unabsteigbarkeit

Es wird sicherlich auch nicht lange dauern, bis der vor Jahresfrist beim HSV verpflichtete Coach Markus Gisdol ins Schussfeld der Kritiker gerät, auch wenn der Investor mit seinen 17 Prozent Anteilen an der HSV Fußball AG noch auf den in Geislingen geborenen Sportlehrer setzt. Als der heute 48 Jahre alte Trainer den Schleudersitz an der Elbe von seinem Vorgänger Bruno Labbadia übernommen hatte, startete der einstige Mann auf der Hoffenheimer Bank (2013 bis 2015) in der Hafenstadt das Unterfangen Klassenerhalt, was ihm am Ende auch gelang. Aktuell stehen jedoch nur die bescheidenen sieben Zähler auf dem Konto und da stellt sich natürlich die Frage: Hat der Übungsleiter überhaupt etwas in Hamburg bewegt? Man muss kein vermögender Zeitgenosse sein, um festzustellen, dass in der Freien und Hansestadt, wo sich früher die Kaufleute ein glänzendes Renommee zulegten, derzeit mit Fußballpersonal Geld geradezu verbrannt wird. Egal, ob als Manager, Trainer oder Spieler, wer in den letzten Jahren zu den Hamburgern kam, hatte selten den Ruf, unzweifelhaft ein Großer seines Metiers zu sein. Da wirkt es schon merkwürdig, wenn ausgerechnet der zuvor beim Zweitligaabsteiger Karlsruhe rausgeworfene und vom Vereinsmäzen gescholtene Sportdirektor sagt „Wir wissen, wo wir herkommen und dass wir schon schlimmere Zeiten überstanden haben“, obwohl dieser Mann erst im Januar seinen Job beim Bundesliga-Dino angetreten hat. Dies alles stört die Lippstädter Christine Goussis und Karl-Heinz Tiemann in ihrem Enthusiasmus für den am 29. September 1887 gegründeten Traditionsclub nicht besonders. Sie sind auch in der Saison 2017/18 vom Nimbus der Unabsteigbarkeit ihres Hamburger Sportvereins vollends überzeugt.

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