Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Bewegung der Beine ernährt das Gehirn

Rezepte von Franz Müntefering zum Leben im Alter

Wenn Franz Müntefering zu einer Veranstaltung nach Lippstadt kommt, dann können die Verantwortlichen in der Regel stets einen guten Besuch verzeichnen. So war es im vergangenen September, als die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Lippstädter SPD-Ortsverein mit dem ehemaligen Vizekanzler als Moderator eine Buchbesprechung in der Thomas-Valentin-Stadtbücherei durchführte, und auch am vergangenen Wochenende, als sich der ehemalige SPD-Parteichef bei der achten Auflage des „Marktes der Möglichkeiten“ dem Thema „Teilhabe und Teilnahme – Aktiv im Alter“ widmete.

Freuten sich über die Auszeichnung für das Engagement der SPD beim Markt der Möglichkeiten:Von links Hans-Joachim Kayser, Josef Niehaus, Marlies Stotz, Franz Müntefering, Hans Zaremba, Thomas Morfeld und Margret Schulte Steinberg.

Humorvolle Rede

Der ursprünglich aus dem Sauerland stammende einstige Spitzenpolitiker hat im November 2015 den Vorsitz der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), übernommen, „der wahrscheinlich einzigen Organisation mit steigenden Mitgliederzahlen“, wie Müntefering in der Volkshochschule schmunzelnd bemerkte. In dieser ehrenamtlichen Eigenschaft war er nun zum von der Stadt Lippstadt organisierten Treffen gekommen. Mit seiner humorvollen Rede empfahl er seinem Publikum „Laufen, lernen und lachen“ als Konzept, „das man zum Leben braucht“. Eines der größten Probleme der älteren Generation sei die zunehmende Einsamkeit, der man aber aus eigenem Antrieb begegnen könne. Nicht auf das „Essen auf Räder“ zu warten, sondern nach Möglichkeit mit Rädern zum Essen zu fahren, war eine seiner Anregungen. Und es gebe jede Menge Vereine, die gut aufgestellt seien und deren Angebote man nutzen solle. „Da höre ich manch einen schon sagen: Die anderen Leute sind da so komisch, ich bleib lieber zu Hause.‘ Denen würde er zur Antwort geben: ‚Lieber mit komischen Leuten unterwegs zu sein, als zu vereinsamen.“

‚Laufen, Lernen und Lachen‘ Eines der Rezepte von Franz Müntefering zum Leben im Alter, das er in Lippstadt präsentierte.

Sportliche Aktivitäten

Ebenso sprach sich der immer noch sehr vital wirkende frühere Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales und spätere Bundesminister für Arbeit und Soziales für deutlich mehr Bewegung im Alter aus: „Wir sind in Deutschland zunehmend eine Bewegungsverhinderungsgesellschaft und gehen Treppen aus dem Weg“. Das könne nicht gut sein, denn Körper und Kopf brauchten Aktivitäten. „Bewegung der Beine ernährt das Gehirn“, lautete seine Richtschnur. Müntefering, der 2013 seine aktive politische Laufbahn – in der allein mehr als 30 Jahre Mitglied des Bundestages war – beendete, engagiert sich inzwischen auch als Botschafter des Programms „Bewegt ÄLTER werden in NRW“ des Landessportbundes. „Es ist nie zu früh, mit einer sportlichen Aktivität anzufangen, aber es ist auch nie zu spät!“

Blick in den großen Vortragssaal der Volkshochschule Der Besuch von Franz Müntefering lockte am Sonntag viele Lippstädter an, den ‚Markt der Möglichkeiten‘ zu besuchen. Fotos (3): Karl-Heinz Tiemann

Breite Zustimmung

Überdies streifte der prominente Akteur des „Marktes der Möglichkeiten“ auch Fragen zur Pflegeversicherung, die zum neuen Jahr einige Verbesserungen erfahren habe, und die Rentenversorgung, deren wichtigste Voraussetzung die Zahlung ordentlicher Löhne während des Arbeitslebens sei. Dazu gehöre auch eine qualifizierte Ausbildung der Kinder. Kritisch setzte sich der gelernte Industriekaufmann mit den „sittenwidrig hohen Gehältern für Manager“ auseinander, die sechshundertmal so viel verdienten wie eine Krankenschwester. Zudem wünschte sich der als Ratsherr in Sundern in die überregionale Politik gestartete Franz Müntefering eine Stärkung der Kommunen, damit sie ihre wichtigen sozialen Aufgaben in der gebotenen Breite auch wahrnehmen könnten. Gewiss eine Erklärung, die bei den anwesenden Lippstädter Politikern im großen Saal der Volkshochschule – vom Bürgermeister bis zu den Stadtvertretern – auf eine breite Zustimmung stieß.

Hans Zaremba

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Letzte Aktualisierungen: