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Rote Lippe Rose intern 11/2014

Titelthema

Reste der Agitation einer gescheiterten Ideologie:Dieses Foto dokumentiert die rasanten Abläufe des politischen Wandels in der DDR um den Jahreswechsel von 1989/90. Die alles beherrschende Staatspartei SED, die im Januar 1990 diesen Raum im Kulturzentrum von Oschatz für die neu entstandene SPD aufgeben musste, hatte wohl keine Zeit mehr, ihren Anschrieb zur politischen Bildung von der Tafel in ihrem bisherigen Schulungszentrum zu entfernen. Archiv-Foto: Karl-Heinz Brülle

Grundwissen

Es war bemerkenswert, was alles in der kurzen Zeit der Begegnungen der Sozialdemokraten aus Lippstadt und Oschatz sowohl in Westfalen als auch in Sachsen stattfand. An der Lippe waren dies überwiegend Angebote zur Vermittlung von Grundwissen über die Politik in der Bundesrepublik Deutschland und ihrem föderalen Aufbau mit den Ländern und den Bundesstaat sowie der kommunalen Selbstverwaltung in den Gemeinden und Städten. Durch das zentralistische System in der DDR waren diese Konstitutionen den in Oschatz und in der Region aufgewachsenen Frauen und Männern kaum bekannt. Darüber hinaus interessierten die Besucher aus Sachsen auch Fragen, die über die Kommunalpolitik und Parteiarbeit hinausgingen. Dazu zählte auch das Zusammenwirken von Sozialdemokratie und Gewerkschaften mit den Aspekten „Politik für Arbeitnehmer“ und „Mitwirkungsrechte der Betriebsräte“, wozu sich der damalige Sekretär der Verwaltungsstelle Lippstadt der Industriegewerkschaft (IGM), Michael Datzkow, zur Verfügung stellte. Zugleich wollten die Oschatzer Sozialdemokraten Informationen über die Arbeit eines durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebes erfahren. Auch dafür konnte im Februar 1990 mit dem Leiter der Wirtschaftsberatungsstelle der Kreisstelle Soest der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe, Eberhard Happich, ein ausgewiesener Fachmann gewonnen werden.

Straßenwahlkampf

In der sächsischen Stadt an der Döllnitz und in den benachbarten Orten war es vor allem der Straßenwahlkampf, in denen sich die Lippstädter einbrachten. Ein Blick auf die Abläufe der Phase vom Ende der Mauer bis zur ersten freien Wahl der Volkskammer unterstreicht, wie knapp es für die Menschen im Osten war, sich auf die neuen Begebenheiten einzustellen. Die Öffnung der Grenzen erfolgte am Donnerstag, 9. November 1989, am letzten Januar-Wochenende 1990 war das erste Treffen der Sozis aus Oschatz und Lippstadt. Bereits am Sonntag, 18. März 1990, hatten die Bürgerinnen und Bürger in Mitteldeutschland über die Zusammensetzung jenes Parlamentes zu entscheiden, das am 20. September 1990 durch die Annahme des Einigungsvertrages den Beitritt der DDR zum Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland mit Wirkung des 3. Oktober 1990 beschließen sollte. An diese spannenden Vorgänge soll die Darstellung „Fahrten in ein unbekanntes Land“ erinnern.

Hans Zaremba

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