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Ein Mann mit vielen Verdiensten

Hans Zaremba zum 40. Todestag von Jakob Koenen

In wenigen Tagen – am Donnerstag, 16. Januar – werden 40 Jahre vergangen sein, dass der langjährige Bürgermeister der Stadt Lippstadt, Jakob Koenen, verstorben ist. Für den Verein zur Pflege und Förderung des Vermächtnisses von Jakob Koenen e.V. ein Anlass, das Leben und Wirken dieser imposanten Persönlichkeit zu würdigen. Mit diesem Beitrag blickt der Lippstädter SPD-Ortsvereinsvorsitzende Hans Zaremba auf etliche Ereignisse aus der langen Epoche von Jakob Koenen als Bürgermeister, Mitglied des Bundestages und Repräsentant des Sportes zurück.

Ein Bürgermeister zum Anfassen:Auch am Zapfhahn war Jakob Koenen ein Meister. Bei der 400-Jahr-Feier des Goldenen Hahns im Jahr 1966 unterstützt der volkstümliche Sozialdemokrat die populäre Gastwirtin Hedwig Henke.

Wiederaufbau

Mit dem Namen von Jakob Koenen ist der Wiederaufbau von Lippstadt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur eng verbunden. Noch vor der Bildung der Bundesrepublik wurde der volkstümliche Politiker am 9. November 1948 zum Lippstädter Bürgermeister gewählt, gestützt auf ein zur damaligen Zeit außergewöhnliches Bündnis von Sozial- und Freidemokraten. Bis zu seinem Todestag – am 16. Januar 1974 – stand er durchgehend an der Spitze des Stadtparlaments und gilt auch heute noch als einer der beliebtesten Bürgermeister von Lippstadt. Nach dem Besuch von Volks- und Oberschule erlernte Jakob Koenen in Bautzen (Sachsen) das Handwerk des Polsterers. Die Gesellenjahre verbrachte er in verschiedenen Städten und absolvierte im Jahr 1930 die Prüfung zum Polsterermeister. Es folgte die Arbeit in der Geschäftsführung eines Handwerksbetriebes und ab 1933 die Selbständigkeit als Sattler, Polsterer und Dekorateur. Von 1940 bis 1945 war der Lippstädter Soldat, zuletzt mit dem Dienstgrad eines Fahnenjunker-Feldwebels. Als es nach der totalen Niederlage des vom NS-Regime angezettelten Krieges galt, das Gemeinwesen wieder zu errichten, zählte Jakob Koenen zu denjenigen Frauen und Männern, die sich hierum große Verdienste erwarben. Er wurde Kreistagsabgeordneter, Ratsmitglied und Schöffe bei Gericht. Über sein Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister hinaus zog der Handwerkmeister aus seiner Werkstatt in der Lange Straße, wo sich seit dem Jahr 2000 das Brauhaus seines Großneffen Daniel Thombansen befindet, bei der Bundestagswahl am 6. September 1953 für die Sozialdemokraten auch in die damals in Bonn beheimatete nationale Volksvertretung ein. Dem Parlament am Rhein gehörte er ununterbrochen bis zur Abstimmung über den sechsten Bundestag am 28. September 1969 an. Das Bundestagsmandat verschaffte dem Kommunal- und Bundespolitiker zusätzliche und unerlässliche Kontakte zu den Institutionen des Bundes und Landes, um die Entwicklung von Lippstadt zu forcieren. Zwei nachhaltige Resultate aus diesen Verbindungen sind die im Oktober 1960 als Lippstädter Ortsumgehung freigegebene Bundestraße 55 und im September 1973 die Eröffnung des Stadttheaters.

Vom Handwerksmeister zum Bürgermeister:Jakob Koenen auf einem Bild aus den 1950er Jahren in seiner Polsterer-Werkstatt in der Langen Straße, wo sich heute die Brauerei Thombansen befindet.

Populär

Werner Roß, der im November 2011 verstorbene Gründungsvorsitzende des Vereins zur Pflege und Förderung des Vermächtnisses von Jakob Koenen e.V. und lange auch einer der engsten Mitstreiter des Ratsvorsitzenden im Stadtparlament, charakterisierte den populären Mann aus dem Lippstädter Süden vor Jahren wie folgt: „Trotz der Fülle von Funktionen, die er im Laufe der Zeit bekleidete, war das Bürgermeisteramt immer der Mittelpunkt seiner Arbeit.“ So sei es für ihn auch selbstverständlich gewesen, Bürgermeister zu bleiben, als er 1953 Bundestagsmitglied wurde. „Denn dieses Amt ermöglichte ihm das zu sein, was er immer war. Ein Anwalt und Sachverwalter der Bürger. Deren Belange hat Jakob Koenen jederzeit in selbstloser Weise vertreten“, unterstrich der einstige politische Ziehsohn von Jakob Koenen dessen politisches Verständnis. Es war aber nicht nur die Politik, in deren Pflicht sich der in Lippstadt geborene und verstorbene Ehrenbürger stellte. Auch für den Sport in Lippstadt und über die Stadtgrenzen hinaus wartete er mit einer Reihe von eindrucksvollen Erfolgen auf. Das nach ihm benannte und im Vorjahr mit der Eröffnung des neuen Kombibades am Jahnplatz am Cappeltor aufgegebene Jakob-Koenen-Bad, für dessen Verwirklichung er sich mit unkonventionellen Mitteln einsetzte, war dafür lange ein bleibendes Zeugnis. Es ist heute unbestritten, dass Jakob Koenen auch zu den Persönlichkeiten zählt, die sich um den Deutschen Sport verdient gemacht haben. Eine wesentliche Entscheidung der Sportpolitik in Deutschland, die auch seiner Beharrlichkeit zu verdanken ist, war die von ihm als DFB-Schatzmeister und Vorsitzender des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen im Sommer 1962 massiv vorangetriebene Gründung der Fußballbundesliga.

Richtfest für die St. Piuskirche:Selbstverständlich war 1958 dazu auch Bürgermeister Jakob Koenen im damaligen Schwerpunkt erschienen, der heute die Bezeichnung Süderhöhe trägt

Würdigung

Am kommenden Donnerstag, 16. Januar, zum 40. Todestag des einstigen Bürgermeisters, will der nach ihm benannte Verein mit einem stillen Gedenken um 17.00 Uhr auf dem Friedhof an der Lipperoder Straße und um 18.00 Uhr in einer Feierstunde im Rathaus, Lange Straße, an das Leben und Wirken des Politikers und Sportfunktionärs erinnern. Die Zusammenkunft im Ratssaal findet an jenem Ort statt, wo Jakob Koenen während seiner über 25jährigen Amtszeit als Bürgermeister unzähligen Sitzungen des Rates vorgesessen, viele Besprechungen geleitet und zahllose Empfänge eröffnet hat. Dieses Treffen zur Würdigung der großen Lippstädter Persönlichkeit soll von der Vorsitzenden des Koenen-Vereins, Sabine Pfeffer, eröffnet, mit einer Ansprache des jetzigen Bürgermeisters Christof Sommer begleitet und mit den Betrachtungen des heutigen Lippstädter Ratsherrn Karl-Heinz Brülle aus dem Blickwinkel seiner Tätigkeit als SPD-Ortsvereinsvorsitzender während der letzten Lebensjahre von Jakob Koenen gestaltet werden.

Parteiübergreifender Herbstwochen-Empfang in 1969 im Lippstädter Rathaussaal:Von links nach rechts Ratsherr Hans Schwade (CDU), Bürgermeister Jakob Koenen (SPD), Bundestagsmitglied Engelbert Sander (SPD), Verteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) und CDU-Landeschef Josef Hermann Dufhues. Fotos (4): Archiv SPD-Ortsverein Lippstadt aus dem Fundus des verstorbenen Lippstädter Bildjournalisten Walter Nies.

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