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Kindergärten und Integration

Dialog von Arbeiterwohlfahrt und Sozialdemokratie

Wenn im Oktober Theo Goesmann mit dem Erreichen des Rentenalters die Geschäftsführung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Region an seinen Sohn Stefan Goesmann als seinen Nachfolger übergibt, dann hinterlässt er zweifellos einen geordneten Verband. Davon konnte sich jetzt bei ihrer Sommertour eine Delegation der Kernstadt-Sozialdemokraten mit ihrem Vorsitzenden Hans Zaremba und der heimischen Landtagsabgeordneten Marlies Stotz einen unmittelbaren Überblick verschaffen.

Familienzentren

Beifall fand die Ankündigung der AWO, im Südwesten mit einer Kooperation der Kindertagesstätten Bullerbü, Kinderland und Löwenzahn ein weiteres „Familienzentrum“ errichten zu wollen. Für die SPD, so Hans Zaremba, „ist dies eine gute Ergänzung“ zu dem zum Monatsbeginn eröffneten Verbund aus „Fantadu“ und „Panama“ im Nordwesten. Einer kritischen Analyse unterzog das Treffen im Klusetor, wo die AWO ihren Jugendmigrationdienst betreibt, das seit dem vergangenen Jahr bestehende KiBiz (Kinderbildungsgesetz). Theo Goesmann sieht in dem immer noch landesweit sehr umstrittenen Regelwerk die Gefahr „einer zu großen Verschulung des Kindergartens“. Er befürchte, dass dies zu Lasten der eigentlichen Aufgaben der Erzieher und Pädagogen, den ihnen anvertrauten Kindern soziales Verhalten zu vermitteln, gehen werde. Ähnliches berichtete die Landtagsabgeordnete Marlies Stotz über ihre Besuche in verschiedenen Kindertagesstätten.

Zustimmung.Die Ankündigung der AWO, im Südwesten ein zweites Familienzentrum im Stadtgebiet zu schaffen, wurde von den Sozialdemokraten begrüßt. Vorne im Bild Heinfried Heitmann, dahinter Dr. Claudia Griebel und Michael Althoff.

Bildungsarbeit

„Die Rahmenbedingungen haben sich durch KiBiz deutlich verschlechtert. Die Anforderungen und die Aufgaben an das Personal sind erheblich gestiegen, die Pauschalfinanzierung recht dafür vorne und hinten nicht aus.“ Zur Bildungsarbeit in den Kindertagesstätten stellte die Parlamentarierin fest: „Hier ist es wichtig, dass diese Arbeit im frühen Kindesalter immer als eigenständige Phase berücksichtigt wird und nicht allein als Vorbereitung auf die Schule.“ Zusätzlich bemängelte sie, dass es bislang keinerlei Vereinbarung für die Bildungsarbeit in den Einrichtungen gebe. „Da war das alte Gesetz fortschrittlicher.“ Diese Auffassung wurde auch von der Leiterin des neuen AWO-Familienzentrums im Norden, Gabriele Oelze-Krähling, geteilt. „Die jetzigen Leistungsanforderungen und das Mehr an bürokratischen Auflagen nehmen den Mitarbeitern oftmals die nötige Zeit für die eigentliche Arbeit mit den Kindern.“

Zuständigkeitsänderung vorgeschlagen.Theo Goesmann, AWO-Geschäftsführer, will Aufgaben des Landesjugendamtes auf die örtlichen Behörden verlagern. Mit im Bild Bea Geisen vom Jugendmigrationsdienst der AWO.

Zuständigkeiten

Darüber hinaus klagte Goesmann über die nach seinem Empfinden „äußerst schleppende Abwicklung von Förderanträgen“ der Kindergartenträger beim Landesjugendamt. Er bezeichnete die in Münster ansässige Behörde als zu wenig flexibel. „Die Übertragung von einigen Aufgaben auf die örtlichen Jugendbehörden würde sicherlich einiges forcieren“, regte der scheidende Geschäftsführer eine Zuständigkeitsänderung der Aufgaben der Jugendämter gegenüber der Landespolitikerin Stotz an. Sorge bereite der AWO zudem, infolge der angekündigten Kürzung der öffentlichen Mittel künftig nicht mehr ihren Verpflichtungen gegenüber den Asylbewerbern nachkommen zu können. „Der Jugendmigrationdienst kann dies nicht auffangen“, erklärte Goesmann.

Kindergartenbildungsgesetz kritisch beleuchtet.Beim Treffen von AWO und SPD waren von links nach rechts dabei. Bea Geisen, Andrea Müller, Heinfried Heitmann, Hans Zaremba, Marlies Stotz, Margret Schulte Steinberg, Dr. Claudia Griebel, Gabriele Oelze Krähling (vordere Reihe) und Theo Goesmann, Güter Fahle, Michael Althoff, Joachim Köhne, Edmund Goldstein und Hans-Dieter Spagardt.

Leitbild

Mit Blick auf den derzeit aufzustellenden Haushalt der Stadt Lippstadt hat die AWO dies in einem Schreiben an den Bürgermeister Christof Sommer nochmals betont. Die Ende Juni vom Lippstädter Stadtrat in Auftrag gegebene Erarbeitung eines integrationspolitischen Leitbildes und eines Integrationskonzeptes werde zwar von der AWO begrüßt, hätte aber nach Meinung von Bea Geisen, die seit vielen Jahren bei dem Sozialverband für die Integrationsarbeit Verantwortung trägt, schon wesentlich früher erfolgen können. „Immerhin ist dies seit November 2007 ein Thema im Jugendhilfeausschuss“, fügte die resolute Sozialpädagogin hinzu. Ebenso gäbe es in Lippstadt neben der AWO, der Diakonie und dem Sozialdienst katholischer Männer Organisationen, die über eine Fülle von Erfahrungen und auch Daten auf diesem Gebiet verfügten.

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