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Jakob Koenen – der unvergessene Bürgermeister

Öffentliche Feierstunde am Sonntag, 9. November – Publikation

Vor 60 Jahren – am Dienstag, 9. November 1948 – wurde der selbstständige Meister des Sattler-, Polsterer- und Dekorationshandwerks, Jakob Koenen, zum ersten Mal in das Amt des Bürgermeisters der Stadt Lippstadt gewählt. Über ein Vierteljahrhundert bis zu seinem Tod am Mittwoch, 16. Januar 1974, übte dieser überaus tatkräftige Mann das Amt des ersten Bürgers in seiner Geburtsstadt aus. Darüber hinaus hat sich Jakob Koenen während seines unermüdlichen Wirkens auch auf vielen anderen Feldern mannigfache Verdienste erworben. So war er Bundestagsabgeordneter von 1953 bis 1969 und auch sehr engagiert als Sportfunktionär. Als Schatzmeister des Deutschen Fußballbundes, Vizepräsident des Landessportbundes und natürlich Vorsitzender von Teutonia Lippstadt.

Beginn einer langen Amtszeit.Nach seiner ersten Wahl zum Lippstädter Bürgermeister am 9. November 1948 richtet sich Jakob Koenen mit einer Ansprache an die Stadtvertreter im Lippstädter Rathaus.

Feierstunde

Aus diesem Anlass lädt die Vorsitzende des Vereins zur Förderung und Pflege des Vermächtnisses von Jakob Koenen e.V., Vizebürgermeisterin Sabine Pfeffer, für den kommenden Sonntag, 9. November, um 11.00 Uhr in den Lippstädter Rathaussaal zu einer öffentlichen Feierstunde ein. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung wird ein Vortrag des ehemaligen Stadtdirektors Friedrich Wilhelm Herhaus stehen, der Jakob Koenen bei seiner Arbeit als Lippstädter Stadtoberhaupt von 1957 als Rechtsrat und von 1958 bis zum Tod des populären Bürgermeisters im Januar 1974 als Verwaltungschef begleitet hat. Zugleich ist für dieses Treffen vom Ratsherrn und Vorsitzenden des Lippstädter SPD-Ortsvereins, Hans Zaremba, eine Publikation herausgegeben worden, mit der dieser an einige Stationen der Tätigkeit von Jakob Koenen als Bürgermeister in einem zeitgeschichtlichen Rahmen der Jahre von 1948 bis 1974 erinnert. Eingepasst in ihm wurden auch Ereignisse der Weltpolitik (Berlin-Blockade von 1948, der Korea-Krieg in 1952, der Mauerbau von Berlin im August 1961 und die erste Mondlandung im Juli 1969) und aus dem Sport (Olympiaden und Fußballmeisterschaften von Borussia Dortmund, des Clubs aus Nürnberg, der Kölner Domstädter und Bayern München) der Jahre, in denen Kommunalwahlen stattgefunden haben.

Grundsteinlegung für die Piuskirche.Selbstverständlich war 1968 auch Bürgermeister Jakob Koenen im damaligen Schwerpunkt erschienen, der heute die Bezeichnung Süderhöhe trägt.

Begebenheiten

Aber auch Begebenheiten aus Lippstadt kommen in der Schrift vor. So aus 1961, als die ersten spanischen Mitarbeiter zur Hella kommen und wo an Hermann Schulte Steinberg, Amtsgerichtsrat außer Dienst, für seine Meriten für den Sport, an den im Ruhestand lebenden Oberstudiendirektor Dr. Josef Johnen für seine Verdienste in der Kommunalpolitik und an den Unternehmer Dr. Wilhelm Röpke für seine Leistungen auf wirtschaftlichem Gebiet zum ersten Mal in der Geschichte Lippstadts ein Ehrenring verliehen wird. Ebenso wird das Korte-Gutachten von 1964 mit dem umstrittenen Plan kurz beleuchtet, den Grünen Winkel mit einer Überführungsstraße zu durchschneiden. Dieser explosive Vorschlag löste lange Leserbriefe in den heimischen Gazetten und eine genauso lebhafte Debatte in Lippstädter Bürgerschaft aus.

Ein historisches Dokument.Das Original des Protokolles über die Sitzung des Rates am 9. November 1948 wurde noch handschriftlich erstellt. An achter Stelle ist der Name des in dieser Zusammenkunft zum neuen Bürgermeister gewählte Jakob Koenen notiert.

Bürgermeisterwahl von 1948

In der Broschüre schildert Hans Zaremba auch die erste Wahl von Jakob Koenen zum Bürgermeister am 9. November 1948, die durch ein Bündnis von Sozialdemokraten und Freidemokraten zustande gekommen ist. Eine solche Verbindung war damals eine absolute Besonderheit. Sie wurde noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland für die Sozialdemokraten von Jakob Koenen und dem damaligen SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Alfred Heider, einem noch heute lebenden Zeitzeugen, und für die Liberalen von dem Juristen Dr. Hermann Jerrentrup und dem Mediziner Dr. Heinz Dohr auf dem Weg gebracht. Der 1948 bei der Bürgermeisterwahl in Lippstadt geschmiedete Pakt war somit ein früher Vorbote für spätere Allianzen von Sozial- und Freidemokraten in den Ländern und im Bund. Das Lippstädter Modell wurde auf staatlicher Ebene zum ersten Mal 1956 übernommen, als bei der ersten Auflage einer Landesregierung von SPD und FDP in Nordrhein-Westfalen der Sozialdemokrat und Hagener Oberbürgermeister Fritz Steinhoff zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Von 1969 war diese Kombination die Voraussetzung für die Bundesregierungen mit den beiden von der SPD gestellten Kanzlern Willy Brandt (1969 bis 1974) und Helmut Schmidt (1974 bis 1982.

Annerkennung.Für ihre beiden deutschen Jugendmeisterschaften von 1950 und 1951 wurde Berni Dickhut, die später als Berni Alff von 1964 bis 1974 gemeinsam mit Jakob Koenen im Stadtrat war, vom Lippstädter Bürgermeister geehrt.

Wahlergebnisse

Durchgängig werden in der von Hans Zaremba gestalteten Veröffentlichung, die sich auf viele Daten aus dem Stadtarchiv und anderer Werke zur Geschichte in der Stadt an der Lippe stützt und bei der die ehemalige Ratsfrau Gudrun Beschorner redaktionell mitgewirkt hat, alle bei den Kommunalwahlen von 1948 bis 1969 gewählten Ratsmitglieder jeglicher Couleur aufgeführt. Ebenfalls haben in dem Heft zur Erinnerung an das Wirken von Jakob Koenen als Lippstädter Bürgermeister die in diesen Jahren erzielten Wahlergebnisse der Parteien ihren Eingang gefunden. Während neben der Bürgermeisterpartei, die SPD, auch die CDU und FDP bei allen Wahlen in 1948, 1952, 1956, 1961, 1964 und 1969, nach denen der Bürgermeister immer Jakob Koenen hieß, im Stadtparlament vertreten waren, konnte das Zentrum nach seinem Einzug von 1948 (noch mit 8,0 Prozent) im Jahr 1952 schon nicht mehr die Hürde von 5,0 Prozent der Stimmen überwinden. Dafür kam 1952, 1956 und 1961 der BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) dreimal in Folge in das Rathaus. Als im Jahr 1964 die Sozialdemokraten mit ihrer Wahllokomotive Jakob Koenen die absolute Mehrheit erreichten und von den damals 31 Ratssessels 16 für sich ergattern konnten, bestand der Rat für 20 Jahre zu einem aus drei Fraktionen bestehenden Gremium. Erst zehn Jahre nach dem Tod des legendären Lippstädter Nachkriegs-Bürgermeisters sollte sich dies durch das Aufkommen der Grünen wieder ändern.

Ein Bürgermeister zum Anfassen.Auch am Zapfhahn war Jakob Koenen ein Meister. Bei der 400-Jahr-Feier des Goldenen Hahns im Jahr 1966 unterstützt der muntere Ratsvorsitzende die populäre Gastwirtin Hedwig Henke.

Projekte

In der reichlich bebilderten Abhandlung aus Anlass der 60jährigen Wiederkehr mit dem schlichten und einprägsamen Titel „Jakob Koenen – der Bürgermeister“ erläutert der Verfasser auch einige der von dem 1907 in Lippstadt geborenen Vollblutpolitiker initiierte kommunalpolitische Projekte, die noch heute das Bild und das Leben in Lippstadt prägen. Neben dem Wohnungsbau und die Gründung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Lippstadt (GWL) sind dies vor allem die beiden am Cappeltor gegenüberliegend entstandenen Komplexe des Hallenbades und des Stadttheaters. Für den Chronisten ist das Hallenbad das „Meisterstück von Jakob Koenen“, das er mit äußerst einfallsreichen Aktionen durchsetzte. Durch seine sprichwörtliche Bürgernähe entwickelte Jakob Koenen seine Idee von einem Hallenbad zu einer vorbildlichen Gemeinschaftsleistung. Es war das Jahr 1958, in dem der Bürgermeister inzwischen schon zehn Jahre mit viel Erfolg und Anerkennung die Stadt Lippstadt wirkungsvoll repräsentierte und bei ihm Plan reifte, den viele mehr oder weniger für nicht verwirklichbar hielten: den Bau eines eigenen Hallenbades! Ein Bad mit Bedachung wurde von nicht wenigen Kritikern zu teuer und reinweg als Luxus abgetan.

Verbindungen zu Großbritannien.Das Stadtoberhaupt Jakob Koenen begrüßt in Lippstadt die Princess Royal, Prinzessin Maria und einzige Tochter des von 1910 bis zu seinem Tod in 1936 amtierienden britischen Königs George V. rechts im Bild Alfred Heider, der den Bürgermeister als Dolmetscher unterstützte.

Stiftekopf

Doch der engagierte Sozialdemokrat ließ sich nicht beirren und gewann über die Vereine viele Anhänger für sein Vorhaben. Durch die Einführung einer Hallenbadzigarette und einer Hallenbadlotterie sammelte Jakob Koenen mit vielen Helferinnen und Mitstreitern den stolzen Betrag von 507.495 Mark. Diese große finanzielle Mithilfe der Lippstädter Bürger hatte auch ihre Auswirkungen auf das Arbeitsklima beim Bau des Projektes, wie dies bei der Eröffnung am 24. September 1966 betonte wurde. Eine bemerkenswerte Tat war auch die von ihm während der Fußballweltmeisterschaft 1966 eingegangene Wette und die Einlösung der Wettschuld. Was das Abschneiden der eigenen Nationalmannschaft in England betraf, war der Schatzmeister des Deutschen Fußballbundes, Jakob Koenen, äußerst skeptisch. So kam es zu dem Versprechen: „Wenn Deutschland ins Endspiel kommt, lasse ich mir einen Stiftekopf schneiden.“ Trotz der Zweifel des Fußballfunktionärs kam Helmut Schön mit seiner Auswahl am 30. Juli in das Finale von Wembley. Also musste der Bürgermeister zum Barbier. Wenige Tage – am 9. August – später griff der Friseurmeister Willi Oldenkott in der Geiststraße zum Handwerkszeug. Auch diese Handlung brachte wieder 1.000 Mark in die Schatulle für das Hallenbad, davon die letzten 50 aus der Kasse des Coiffeurs. Dass diese Stätte heute seinen Namen trägt und im Foyer eine Büste an das Engagement dieser Einrichtung hinweist, versteht sich bei soviel Leidenschaft für ein Projekt von selbst.

Auszeichnung.Ministerpräsident Heinz Kühn zeichnet Bürgermeister Jakob Koenen im Oktober 1968 für sein 20jähriges Jubiläum als erster Bürger seiner Heimatstadt mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland aus.

Bürgersinn

Auch das im September 1973 der Öffentlichkeit übergebende Stadttheater ist ein Produkt, das Jakob Koenen immer wieder vorangetrieben hat. Es war ein langer Weg, den der Bürgermeister mit vielen vom ersten Gedanken der Einrichtung einer durch den kulturellen Vereinigungen der Stadt, ihren Vereinen und allen Bevölkerungsgruppen nutzbaren „Mehrzweckaula am Ostendorf-Gymnasium am Cappeltor bis zur Vollendung eines der spektakulärsten Bauwerke in der Nachkriegsgeschichte Lippstadt gegangen war. Bei der Eröffnung des Kulturtempels, die dem Bürgermeister noch wenige Monate vor seinem Tod vergönnt war, hatte er die Bedeutung des Stadttheaters für das Ansehen von Lippstadt im westfälischen Raum herausgestellt. Diesem Gewicht ist das Lippstädter Kulturzentrum in den 35 Jahren seines Bestehens vollends gerecht geworden. Mit einer eigenen Ausstellung zum 25jährigen Bestehen des Stadttheaters hatte der Verein zur Pflege und Förderung des Vermächtnisses von Jakob Koenen e.V. im Herbst vor zehn Jahren die vielfältigen Verdienste von Jakob Koenen für das Zustandekommen dieses Hauses hervorgehoben. Den beispielhaften und von ihrem ersten Repräsentanten stets geförderten Lippstädter Bürgersinn hatte im Herbst 1973 bei den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Theaters der aus Düsseldorf angereiste Staatssekretär Dr. Heinrich Stakemeier herausgestellt. „Hier haben sich nicht ein paar Stadtväter ein Denkmal setzen wollen, hier haben sich die Bürger den Mittelpunkt für ihr kulturelles Leben ihrer Stadt geschaffen, weil sie den Wert einer solchen Einrichtung wissen und es für notwendig halten, den in der Hektik unserer Tage scheinbar verdrängten Musen wieder einen Platz zu geben.“ Der gastgebende Bürgermeister nahm soviel Lob aus dem Munde des ehemaligen Schülers des Lippstädter Ostendorfs für die von ihm zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 25 Jahre und nachhaltig repräsentierte Stadt gerne entgegen.

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